Steuerliche Auswirkungen des Ethereum Merge

ETH Merge
Im Zusammenhang mit dem Merge gilt eines der wichtigsten Ereignisse der angekündigte Hardfork, der die Ethereum PoW (ETHW) Chain einführt. Aber auch der Übergang zu Proof of Stake zieht eine Reihe von neuen Faktoren im Hinblick auf mögliche steuerpflichtige Ereignisse mit sich.

Bevor wir uns nun näher mit den Details beschäftigen, werfen wir einen Blick auf die wichtigsten Ereignisse, die uns bei der Fusion von Ether und Erc20-Token bevorstehen:

  • Die Ethereum Beacon Chain wird zum Zentrum der Blockchain Security, was bedeutet, dass alle Validierer ihre Transaktionsverarbeitung auf dieser Chain durchführen und dafür Belohnungen erhalten. Neben den Staking-Belohnungen (neu ausgegebener Coins) werden die Validierer nun auch Transaktionsgebühren verdienen. Die Beacon Chain erlaubt keine Smart Contracts und auch keine nativen Assets.
  • Die bekannte Ethereum 1.0 Chain wird zum ersten Shard der Beacon Chain und erbt den Konsens. Dieser Shard wird weiterhin Ether (ETH) als Gas-Token verwenden und die Smart Contracts hosten, einschließlich aller Erc20-Token.
  • Ether (ETH) wird Ether (ETH) bleiben. Potenzielle Derivate mit dem Namen ETH 2.0 oder ähnliches laufen aus und werden in natives Ether (ETH) umgewandelt.
  • Jeder Besitzer von Vermögenswerten auf der Ethereum (ETH)-Chain erhält die gleichen Vermögenswerte auf der Ethereum PoW (ETHW) Chain.

Warum ist dieser Hardfork von ETHW so besonders?

Aufgrund des hohen Risikos eines Hardforks wird der Merge heftig diskutiert, denn die Verdopplung aller Ethereum-Vermögenswerte (Ether, Erc20-Token und sogar NFTs) wird sich zweifellos auf eine Vielzahl an Portfolios auswirken.

Das Hard-Forking einer komplexen Chain wie Ethereum mit ihren Millionen von Token (fungible und nicht-fungible) und Tausenden DeFi-Smart-Contracts könnte potenziell zu einem massiven Chaos führen. Einen kleinen Vorgeschmack darauf haben wir am Beispiel von Terra 2.0 und Terra Classic bekommen, wo – mit Ausnahme der Stablecoins – das gesamte Ökosystem geklont wurde. Dies führte zu massiven Preisbewegungen bei LUNA und dem stark aufgeblasenen LUNC, was nicht nur die Händler in Atem hielt, sondern auch das gesamte System rund um Terra:

  • Wir sahen Orakelpreis-Hacks, da die Datenquellen (Coinmarketcap, Binance, Coinbase, Uniswap usw.) dieser Verträge falsche Daten importierten, zum Beispiel den Preis von LUNA 2.0 für den LUNC-Token, was zu massiven Ausnutzungen auf DeFi-Protokollen führte. Dies könnte auch bei ETH und ETHW passieren, deren Futures derzeit zu ~ 1,6% des ETH-Preises gehandelt werden.
  • Aber nicht nur Orakelpreis-Quelldaten sind eine wichtige Abhängigkeit, viele Ethereum Smart Contracts interagieren tatsächlich mit einer eindeutigen Chain ID, deshalb ist es wahrscheinlich, dass ETHW Contracts mit anderen Contracts auf der ETH Chain interagieren wollen – was nicht möglich ist.
  • NFTs, die dem Nutzer bestimmte Rechte gewähren, sind nun doppelt vorhanden, weshalb Anwendungen entscheiden müssen, welche Chain ihre “Single source of truth” ist, und auf NFTs der anderen Chain verzichten müssen.

Die ersten großen Börsen haben bereits angekündigt, dass sie die Ethereum-Hardforks unterstützen werden. Des Weiteren haben wir bereits einen Proof of Work Ethereum Hardfork aus dem Jahr 2016 namens ETC, der nicht zu Proof of Stake wechseln wird, was zu drei “großen” Ethereum-Chains führt (ETH, ETC & ETHW).

Was sind die steuerlichen Auswirkungen des kommenden Hardforks?

In den meisten Rechtsordnungen können diese Vermögenswerte in der “neuen” Chain als “kostenfrei erworben” betrachtet werden (0 Kosten-Basis), was keine sofortige Steuerpflicht auslöst, da noch kein echter Gewinn erzielt wurde. Eine spätere Veräußerung dieser Vermögenswerte könnte jedoch die Realisierung eines potenziellen steuerpflichtigen Gewinns bedeuten. Ein paar Beispiele:

  • Deutschland: Die Anschaffungskosten werden zwischen Hardfork-Coins und ETH aufgeteilt. Vermutlich werden Hardfork-Coins zum Zeitpunkt des Hardforks den Marktwert von 0 EUR haben. Neue Assets können das Anschaffungsdatum des Fork-Ursprungs-Assets erben, d.h. wenn das Asset z.B. vor einem Jahr erworben wurde, sind beide Assets sofort von der Steuer befreit.
  • Österreich: Hardfork Coins haben einen Anschaffungspreis von 0 EUR. Der Hardfork selbst ist kein steuerpflichtiges Event, aber die spätere Veräußerung dieser Coins könnte eine 27,5%ige Kapitalertragssteuer auf den Erlös auslösen.
  • USA: Hardforks sind in den USA bei Erhalt steuerpflichtig. Wenn es also bereits einen Marktwert für ETHW-Coins/Token gibt, würde eine Steuerpflicht entstehen, selbst wenn der Besitzer keine Aktionen ausführt.

Welche steuerlichen Auswirkungen hat der Übergang von Proof-of-Work (PoW) zu Proof-of-Stake (PoS)?

Wenn es um die Besteuerung geht, gibt es wie immer Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern, dennoch gibt es ein paar technische Grundlagen, die für alle relevant sind.

Während PoW (Mining) auf den Einsatz teurer Hardware angewiesen ist, wird bei PoS (Staking) hauptsächlich zugewiesenes Kapital für den Konsens verwendet. Das Mining ist in den meisten Rechtsordnungen klar klassifiziert, da es mit Einkommen durch Arbeit und einer unmittelbaren Steuerpflicht bei Erhalt von Vergütungen verbunden ist. Beim Staking ist dies nicht so klar, da dieser Prozess oft in zwei Teile eingeteilt wird, den “Validator” und den “Delegator”.

  • Validator: Führt die Berechnungen durch, die zur Überprüfung von Transaktionen und zur Sicherstellung des Konsenses erforderlich sind.
  • Delegator: Überträgt nur sein Vermögen an einen Validator, wodurch sich der Anteil des Validators und damit seine Macht und Belohnung erhöhen.

Auf verschiedenen Chains gibt es eine klare Trennung von Validator und Delegator direkt innerhalb der Chain-Architektur, nicht so bei Ethereum. Da Ethereum einen hohen Grad an Dezentralisierung anstrebt, gibt es nur die Rolle des Validators. Jeder, der “nur staked” (also nicht das Programm ausführt, das zur Validierung von Transaktionen notwendig ist), tut dies nicht durch den eingebauten Konsensalgorithmus, sondern durch einen Drittanbieterdienst, dem er seine Ether (ETH) leiht.

Zunächst zu den steuerlichen Auswirkungen für einen Validator auf Grundlage unserer Beispiele:

  • Deutschland: Alle generierten Belohnungen unterliegen bei Erhalt der Einkommenssteuer. Es besteht die Möglichkeit, dass der Betrieb eines Validator-Knotens als Betrieb eines Unternehmens angesehen wird, was zu einer anderen steuerlichen Behandlung führen würde.
  • Österreich: Staking Rewards erzeugen bei Zufluss noch keine Steuer, erst bei späterer Veräußerung werden 27,5% Kapitalertragsteuer fällig. Im Gegensatz zu Deutschland ist die Einstufung als Gewerbe eher unwahrscheinlich, aber nicht auszuschließen.
  • USA: Der sichere Weg wäre, es wie in Deutschland zu machen, aber es gibt Stimmen, die fordern, dass die Steuern erst bei der späteren Veräußerung der Gewinne erhoben werden.

Während die Behörden jede Form der Beteiligung an einem PoS-Konsens als gewerbliche Tätigkeit ansehen möchten, wehrt sich die Community in Deutschland und Österreich vehement gegen die Auslegung, dass der Betrieb eines Ethereum-Nodes für ~€ 400 pro Jahr tatsächlich ein Unternehmen sei. Die Rechtsprechung hierzu steht noch aus.

Für den Delegator, der höchstwahrscheinlich nicht als Unternehmen angesehen wird, ist der Einzelfall nicht unbedingt klar. Je nachdem, wie ein Staking Setup aufgebaut ist, sind die steuerlichen Auswirkungen umstritten. Vor allem in Bezug auf die Gegenpartei, die Ihr Vermögen erhält und die Einsatzprämien zurückzahlt. Grob gesagt gibt es drei Szenarien:

  • Staking-Reward: Du interagierst mit einem “Pooling”-Smart-Contract, der einen Validierungsknoten auf den Vermögenseinsatz mehrerer Parteien anwendet und Staking Rewards und Transaktionsgebühren auf Basis der Zuordnung verteilt. Es ist nicht sicher, ob ein solches Setup funktioniert, aber einige Staking-Pools behaupten bereits, dies anzubieten. In Österreich sind Einsatzprämien nicht sofort, sondern erst bei einer späteren Veräußerung steuerpflichtig.
  • Verleih-Reward: Sie verleihen Ihre Ether (ETH) an eine dritte Partei, die eine natürliche oder juristische Person ist, und erhalten dafür regelmäßige Zinsen. Ob die dritte Partei dieses Vermögen tatsächlich für Validierungszwecke verwendet, ist möglicherweise nicht klar. Leihzinsen sind in den meisten Rechtsordnungen bei Erhalt steuerpflichtig.
  • Handel: Sie sperren Ihre Ether (ETH) in einen Smart Contract und erhalten dafür ein Quittungstoken, welcher frei handelbar ist. Ein Beispiel wäre der größte Ethereum-Staking-Anbieter Lido, der stETH für ETH ausgibt, was ein eigenes Wirtschaftsgut mit einem unabhängigen Preis ist, welches später gegen mehr ETH (der ursprünglichen Einzahlung + angesammelte Rewards) eingelöst werden kann. Ein solcher Handel würde in Deutschland und den USA eine steuerlich relevante Realisierung auslösen.

Wir hoffen, einen kurzen Überblick über die steuerlichen Aspekte geben zu können, die im Zusammenhang mit dem Ethereum Merge zu beachten sind. Insbesondere wenn es darum geht, Ether zu staken oder sogar eine eigene Validator Node zu betreiben.

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